Fachwissen: Tipps und Tricks beim Farbspritzen Verfasst am: 23.12.2008, 03:54
Kniffe beim Farbspritzen
Wer die Einsatzmöglichkeiten seines Farbspritzgeräts erweitern möchte, kann dies mit einfachen Hilfsmitteln und den dazu notwendigen fachmännischen Ratschlägen realisieren.
Spritzen horizontaler Flächen
Mit der normalen Becherspritzpistole ist es kaum möglich, horizontale Flächen einwandfrei und zügig zu lackieren. Bei vertikalen Flächen kann der Becher höchstens bis zur Hälfte gefüllt werden, ohne dass der Anstrichstoff herausläuft. Beim Spritzen über Kopf ist selbst bei Verwendung eines Saugtopfs kaum ein befriedigendes Ergebnis zu erzielen. Hier kann mit einem einfachen Bogenstück Abhilfe geschaffen werden . Es lässt sich sowohl beim Spritzen über Kopf als auch beim Spritzen nach unten anwenden. Man braucht es nur entsprechend zu drehen. Damit dies möglich wird, besitzt das Bogenstück eine überwurfmutter wie der normale Schlauchanschluß.
Manchmal sind Flächen zu spritzen, die schwer zugänglich sind und für die man eine Leiter oder ein Gerüst braucht. (Das gleiche gilt für das Sprühen von großen Obstbäumen, Weinspalieren usw.) Hier kann man sich behelfen, indem man die Spritzpistole an einem Gestänge befestigt. Der Abzugshebel wird über einen Seilzug betätigt. Am unteren Ende des Gestänges ist dafür ein zweiter Hebel angebracht. Beide werden miteinander verbunden. Eine andere Möglichkeit besteht darin, zwei dünnwandige Rohre mit einem Innendurchmesser von 7 bis 8 mm zu verwenden. Durch das eine Rohr wird die Druckluft, durch das andere das Spritzmaterial zugeführt. Als Anschluß erhalten beide Rohre auf der Spritzpistolenseite wieder eine überwurfmutter mit Kegel und am anderen Ende ein Anschlußgewinde wie beim Bogenstück. Diese Hilfseinrichtung ist nur für eine Spritzpistole mit einem Spritzkopf UE geeignet und wird entweder mit einem Saugbecher oder einem Anschluß für Druckzufuhr ausgerüstet. Es ist hierbei ratsam, die größte, im Sortiment vorhandene Düse zu wählen. Durch die langen Zuleitungen von Druckluft und Anstrichstoff treten Druckverluste auf, die zu einem verringerten Durchsatz des Spritzmediums führen.
Einsatz eines Farbdruckbehälters für die Zuführung des Anstrichstoffs
Wer größere Flächen spritzen will und ein leistungsfähiges Farbspritzgerät besitzt empfindet es als störend, dauernd den Becher füllen zu müssen. Dadurch entsteht viel Leerlauf, und der Anstrichstoff neigt im Mischgefäß wieder zur Entmischung. Vor allem bei Kalk- und Leimfarben ist das der Fall. Hier ist der Einsatz eines Farbdruckbehälters sehr günstig.
Für den Heim- und Handwerker reicht ein Gefäß mit 5 bis 81 aus. Man kann, damit 20 bis 30 m2 Fläche beschichten. Mehr Fläche ist gewöhnlich in einem Farbton oder einer Farbart nicht zu spritzen. Der Aufbau eines Farbdruckbehälters ist einfach.
Das Spritzen mit einem Farbdruckbehälter hat noch andere Vorteile:
Der Anstrichstoff befindet sich in einem geschlossenen Behälter und kann nicht wieder verunreinigt werden.
Das Abdunsten von Lösungsmitteln wird vermieden, die Viskosität bleibt konstant.
Die Spritzpistole kann in jede beliebige Richtung geführt werden.
Der Arbeitsgang kann beliebig oft unterbrochen und die Spritzpistole einfach abgelegt werden.
Arbeiten mit Schablonen
Grundsätzlich sollte man zwischen lose aufgelegten und fest haftenden Schablonen unterscheiden. Sie erfordern verschiedene Auftragstechniken. Lose aufgelegte Schablonen aus Metall oder Pappe (hierzu gehören auch die mit Haftmagneten befestigten) erfordern Anstrichstoffe, die schnell trocknen und relativ zähflüssig sind (ähnlich den Druckfarben). Durch den feinen Spalt, der zwischen Werkstück und Schablone entsteht, wird sonst der Anstrichstoff angesaugt und die Ränder verwischen (Kapillarwirkung). Günstig ist bei dieser Technik ein saugfähiger Untergrund, z. B. rohes Kistenholz. Die Schablone muss sofort nach dem Spritzen abgenommen und gesäubert werden.
Aufgeklebte Schablonen müssen dünn und zerreißfest sein. Am besten eignen sich dafür Abdeckpapiere oder bänder mit einseitiger Klebstoffschicht. Das Material darf nicht zu dick und saugfähig sein. In beiden Fällen werden die Ränder nicht sauber.
Auch Abdecklack, der in einer dünnen Schicht aufzustreichen oder aufzuspritzen ist, kann benutzt werden. Darin können 'nach dem Erhärten Ornamente, Schriftzüge usw. eingeschnitten werden. Nach dem Trocknen des Anstrichs kann der Abdecklack wieder abgezogen werden. Für diese Technik eignen sich alle normalflüssigen Lacke und Farben. Die Schablonen werden erst nach dem Trocknen des Anstrichstoffs entfernt.
Spritzen sperriger und gitterförmiger Werkstücke
Gemeint sind vor allem Gartenzäune, Schutzgitter, Balkonverkleidungen, für die es oft schwer ist, das geeignete Lackierverfahren zu finden. Mit dem Pinsel muss man oft langwierige Streicharbeiten einkalkulieren, beim Spritzen können bei unsachgemäßer Ausführung Farbverluste bis zu 90% auftreten. Abgesehen von den Kosten des nutzlos verbrauchten Anstrichstoffs, verschmutzt man damit auch erheblich die Umgebung. Hier ist folgendes zu beachten: Beim Spritzen eines Zauns stellt man die Pistole auf Rundstrahl ein. Der Durchsatz an Anstrichstoff ist etwas zu verringern, indem man die Stellschraube zudreht. Die Spritzpistole wird schräg zum Werkstück gehalten, damit der Strahl eine geschlossene Fläche trifft. Dieser Vorgang wird von der Gegenseite wiederholt. Die Spritzpistole ist dabei schnell zu bewegen, damit keine Läufer entstehen. Sind die Durchbrüche des Werkstücks größer als die spritzenden Teile, z. B. bei einem Drahtgitter oder -zaun, stellt man hinter dem Zaun, etwa 50 mm entfernt, eine Tafel (Hartfaserplatte oder Pappe) auf. Dadurch wird der Spritzstrahl zurückgeworfen und die Rückseite des Werkstücks mit behandelt'. Die Spritzpistole kann hierbei wieder auf Flachstrahl gestellt werden.
Sollen einzelne stabförmige Teile gespritzt werden, hierzu gehören auch Stuhl- oder Tischbeine, stellt man die Spritzpistole wieder auf Rundstrahl ein bei vollem Farbdurchsatz. Die Teile werden in übergreifenden Streifen von oben nach unten gespritzt. Teile mit prismatischem Querschnitt spritzt man über die Kanten.
Große zylindrische Teile werden in gleicher Weise bearbeitet. Auf keinen Fall sollte man versuchen, diese durch Schwenken der Pistole um das Werkstück herum zu lackieren .
Spritzen sehr rauher Oberflächen
Rauh geputzte Oberflächen (Strukturputz) mit großen Vertiefungen und scharfen Kanten lassen sich leichter spritzen als streichen. Man muss dazu aber etwas mehr Zeit aufwenden als für glatte Flächen. Zuerst spritzt man die gesamte Fläche im Kreuzgang. Die nicht vollständig getroffenen Rillen, Vertiefungen usw. behandelt man in folgender Weise:
Der Nadelhub wird ganz gering eingestellt (Einstellschraube fest zudrehen). Dadurch öffnet sich beim Ziehen des Fingerhebels die Farbdüse nur ganz wenig, und es wird eine ganz geringe Menge Anstrichstoff durchgesetzt. Nun geht man mit der Spritzpistole bis auf eine Entfernung von etwa 20 mm an die Fläche heran und zieht zunächst das Luftventil (Druckpunkt der Pistole beachten). Erst wenn die Druckluft voll fließt, öffnet man die Farbdüse und treibt den Anstrichstoff in die Struktur hinein. Gibt man zuviel Anstrichstoff, läuft dieser aus den Vertiefungen heraus, und es bilden sich Läufer. Bei einiger Übung lassen sich aber gute Ergebnisse erzielen.
Spritzen kleiner rotationssymmetrischer Teile
Oft fallen beim Bastler oder Handwerker kleinere Teile in größeren Stückzahlen an, z. B. Holzteller, Untersetzer, kleine Vasen und Gefäße, Radkappen usw. Sind die Teile rund oder vieleckig, wird das Spritzen ohne Hilfsmittel problematisch. Man sollte dann als Hilfsmittel eine Drehscheibe verwenden, die ganz einfach herzustellen ist. Sie besteht aus einer flachen Scheibe mit einer größeren Masse und einem Laufbolzen, der auf einer Kugel gelagert ist Durch die große Masse der Scheibe erhält diese beim Anwerfen (mit der Hand) ein großes Schwungmoment und behält über längere Zeit eine fast gleichmäßige Geschwindigkeit. Nun können die aufgesetzten Teile gleichmäßig gespritzt werden, ohne dass man diese mit der Hand drehen muss. Bei größeren Teilen ist zu beachten, dass in der Mitte schneller als in den Randzonen gespritzt werden muss, weil die Flächen nach außen immer größer werden. Das Werkstück muss während des Spritzvorgangs mehrere Umdrehungen ausführen, um eine gleichmäßige Schichtdicke zu erreichen. Je stärker die Oberfläche gegliedert ist, um so schneller muss das Werkstück rotieren.
Veränderung der Düsenkombination an der Spritzpistole
Immer wieder wird die Frage gestellt, welche Düsenkombinationen für die einzelnen Heimwerkerspritzgeräte im Handel erhältlich sind. An dieser Stelle sei erneut darauf hingewiesen: Bei den angebotenen Spritzpistolen sind die Düsenkombinationen auf die jeweiligen Geräte optimal abgestimmt. Ein Wechsel der Kombination ist nicht ratsam. Spritzeffekt, Luftverbrauch und Strahlbildung werden in erster Linie durch die Luftkappe bestimmt. Wird eine Veränderung des Anstrichstoffdurchsatzes gewünscht, ist der Nadelhub zu verstellen.
Die Ausbildung des Strahls erfolgt nach physikalischen Gesetzmäßigkeiten und ist deshalb innerhalb der gegebenen Düsenkombination auch nicht durch Einsetzen einer anderen Farbdüse veränderbar. Deshalb wird das angebotene Sortiment für den Heimwerkerbedarf gering gehalten. Für die Industrie steht dagegen eine größere Anzahl von Düsenkombinationen zur Verfügung, die aber alle einen größeren Luftbedarf besitzen und für Heimwerkergeräte nicht geeignet sind.
Anleitungsvideo Richtig Lackieren mit Farbspritzpistolen