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baunochmal


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Alte Möbel: Wachsen, Polieren und Lackieren
Verfasst am: 21.12.2008, 05:04

Gerade bei der Oberflächenbehandlung werden heute oft Fehler gemacht, die zur ästhetischen Wertminderung des Möbels oder zu Schäden führen, die nicht rückgängig zu machen sind. Man sollte daher möglichst einen Fachmann konsultieren, ehe man eine vielleicht noch originale Oberfläche verändert oder entfernt. Oft genügt es bereits, wenn der oberflächliche Schmutz entfernt und das Möbel anschließend mit Wachs, Öl oder einer Möbelpolitur behandelt wird, um ihm wieder eine schöne Oberfläche zu geben.

Methoden zur Oberflächenveredlung eines Möbels waren charakteristisch für bestimmte Kunstepochen und Möbeltypen und änderten sich im Laufe der Zeit. Die meisten alten Verfahren sind heute kaum noch gebräuchlich oder in Vergessenheit geraten.

Der Möbelrestaurator muss also stets entscheiden, um welche Technik es sich handelt, damit der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt werden kann. Ein umfangreiches kunsthistorisches Wissen sowie die sichere stilistische Einordnung eines Möbels sind für eine fundierte Oberflächenbehandlung unerläßlich. Manche dieser Techniken erfordern jahrelange Übung.



Wachsen

Die Technik des Wachsens war schon im Mittelalter bekannt und vor allem wegen der unkomplizierten Verarbeitung des Wachses beliebt. Sie wurde besonders bei geschnitzten Massivholzmöbeln von der Gotik bis zum Barock angewandt, ist aber auch noch im 18. Jahrhundert an schlichten, furnierten bürgerlichen Möbeln anzutreffen. Erst im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert verdrängten die glänzenden, aus verschiedenen Harzkombinationen bestehenden Lackpolituren das Wachsen. Das aufgetragene Bienenwachs gab dem Holz einen seidenartigen Mattglanz, ohne die Poren zu schließen, und bildete gleichzeitig eine konservierende Schutzschicht.

Der gebräuchlichste und einfachste Wachsüberzug bestand aus gelbem Bienenwachs, das in Terpentinöl oder Benzin gelöst wurde (1 Teil Wachs zu 3 bis 6 Teilen Lösungsmittel). Das zerkleinerte Wachs wird mit dem Terpentinöl im Wasserbad geschmolzen und die warme Lösung mit dem Pinsel auf das Holz aufgetragen. Das Terpentinöl verleiht dem Holz gleichzeitig eine kräftige Färbung. Am nächsten Tag können die gewachsten Flächen mit einer Bürste und Wolltüchern mühelos auf Mattglanz poliert werden.

Dieses Verfahren eignet sich besonders gut bei Schnitzwerk an Möbeln und einfachen, aus massiver Eiche, Buche oder Nußbaum angefertigten Schränken, Tischen oder Stühlen. Es ist auch vom Laien mühelos auszuführen und kann nach einigen Jahren wiederholt werden. Zeitaufwendiger und schwieriger in der Verarbeitung war das im 17. und 18. Jahrhundert aufkommende Wachsen mit einer Wachspaste, die dem Möbel einen dauerhaften Glanz verlieh. Die Paste bestand aus einem geschmolzenen Gemisch aus Bienenwachs, Kolophonium und Terpentinöl und wurde mit Leinentüchern auf das Möbel reichlich aufgetragen. Beim Reiben mit einem Poliergerät, bestehend aus einem Bündel zusammengeschnürter Binsen, verteilte man das Wachs auf der Fläche und erwärmte es dabei, so dass es gut in die Holzporen eindringen konnte. Nach dem Verteilen musste das überschüssige Wachs mit einem Wachsschaber entfernt und verspachtelt werden, bis eine gleichmäßig glatte Fläche entstand. Der abschließende Glanz wurde durch Polieren mit Woll- und Seidentüchern erreicht. Bei guter Ausführung erhielt man einen geschlossenen Überzug, der durch den Harzzusatz bedeutend widerstandsfähiger und glänzender war, daher auch an furnierten und einfachen intarsierten Möbeln angewandt wurde.

Der Laie sollte lieber auf diese leicht auszuführende und jederzeit reversible Technik zurückgreifen als auf die komplizierte Schellackpolitur.

Polieren

Eine heute noch bekannte Oberflächenbehandlung alter Möbel ist das Polieren mit Schellack. (Schellack ist das Ausscheidungsprodukt von Lackschildläusen, die auf verschiedenen Baumarten in Indien und auf den hinterindischen Inseln leben.) Bei dieser Technik wird die Oberfläche nicht durch Feinschliff wie beim Lackieren poliert, sondern der in dünnen Schichten aufgetragene Schellack wird verrieben und gleichzeitig mit Hilfe von Spiritus, Bimsmehl und Polieröl geschliffen.

Bereits in Rezepturen des 18. Jahrhunderts für Möbelschleiflacke taucht Schellack zusammen mit anderen Naturharzen auf. Die eigentliche Schellackpolitur ist aber wahrscheinlich erst seit dem frühen 19. Jahrhundert bekannt. Sie war den Schleiflacken des 18. Jahrhunderts an Festigkeit und Transparenz häufig unterlegen, eignete sich daher nicht so gut für farbig intarsierte Möbel.

Dagegen erhielten die ab 1790 aufkommenden, mit feuervergoldeten Bronzebeschlägen verzierten Mahagonimöbel des Empires und Biedermeiers eine hochglänzende Politur.

Die Technik des Schellackpolierens soll hier nur in groben Zügen erläutert werden. Zu ihr gehören in der Regel das Grundpolieren, Deckpolieren, Zwischenpolieren und Auspolieren. Für jeden Arbeitsgang wird ein spezieller Polierballen verwendet, der aus einem reinen wollenen Lappen (alten Strumpf) besteht, um den anfangs grobes, durchlässiges und später feinmaschiges Leinen gelegt wird. Die Politur setzt sich je nach Arbeitsgang aus 1 Teil Schellack und 3 bis 5 Teilen Spiritus zusammen. Beim Grundpolieren, dem ersten Arbeitsgang bei einer Schellackpolitur, werden Porenfüller (meist Bimsstein- oder Ziegelmehl) auf die Fläche gestreut und mit schwacher Politur so lange in die Holzporen eingearbeitet, bis sie geschlossen sind. Die grundierte Fläche muss mindestens 3 Tage trocknen, ehe mit dem Deckpolieren begonnen werden kann. Das Deckpolieren erfolgt mit einem neuen Ballen und stärkerer Politur unter Verwendung von Bimssteinmehl als Schleifmittel. Nach einigen Aufträgen wird etwas Polieröl, das paraffiniert und säurefrei sein muss, auf die Fläche verteilt, um zu verhindern, dass der Ballen festklebt. (Er würde beim Hochnehmen die Schellackschicht wegreißen.) Hochglanzpolierte Flächen, an die besondere Forderungen zu stellen sind, müssen nach der Trocknung der Deckpolitur (5 Tage) zwischenpoliert werden.

Lackieren

Das Lackieren war vor allem im 18. Jahrhundert neben dem Wachsen eine beliebte Technik. Auf die Möbeloberflächen wurde Lack oder Firnis dünn aufgetragen, und nach dem Verdunsten des Lösungsmittels entstand ein fester, mehr oder weniger elastischer Überzug. Der Lack garantierte gegenüber dem Wachs einen besseren Glanz und eine geschlossene, harte Oberfläche. Er schützte Möbel dauerhafter vor Schmutz und Feuchtigkeit, konservierte die farbempfindlichen Beiztöne der Intarsien und brachte gleichzeitig die Struktur des Holzes zur Geltung. Das Lackieren jedoch war kostspielig und zeitaufwendig, deshalb wurden hauptsächlich die höfischen Kreisen zugedachten kostbaren, mit edlen Hölzern furnierten oder intarsierten Möbel lakkiert.

Die Lacke, die man für diese Zwecke verwendete, bestanden in der Regel aus Naturharzen, die in Alkohol oder Terpentinöl gelöst wurden. Kopal, Bernstein, Mastix, Sandarak und Schellack wurden am häufigsten verarbeitet. Durch unterschiedliche Zusammensetzungen der Harze erhielt man je nach Bedarf klare, dunkle, harte, weiche, elastische oder spröde Lacke. Die Möbelschreiner hielten ihre Lackrezepturen meist geheim, und bei einigen Möbeln konnte der Lacküberzug bis heute nicht genau analysiert werden. Dennoch gab es mehrere Rezeptbücher, in denen die neuesten Lackgeheimnisse veröffentlicht wurden und nach denen alte Lackrezepturen rekonstruiert werden konnten.

Ein Rezept für Firnis aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts empfahl:
  1. 1 Pinte oder 2 Pfund Weingeist
  2. 2 Unzen Mastix in Tränenform
  3. 5 Unzen möglichst weißen Sandarak 1 Unze ElemiGummi
  4. 1 Unze Spieköl.


Alle Zutaten wurden im heißen Wasserbad geschmolzen, und der Firnis wurde anschließend gefiltert.

Entscheidend für die Güte des Lacküberzugs war die weitere Verarbeitung. Die Lacke wurden meistens mit dem Pinsel aufgetragen. Nach jedem Überzug polierte man die Oberfläche durch Feinschliff mit Polier- und Schleifmitteln, z. B. Bimssteinmehl, Trippel, Zinnasche, Holzkohle, Filz, Öl. So wurde mühsam Schicht für Schicht aufgetragen und poliert, bis eine geschlossene, glänzende Fläche entstand, die klar und nicht gilbend auf dem Möbel lag. Diese Schleiflacke findet man heute nur noch selten auf alten Möbeln.
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Tags: möbel, polieren, wachsen

 
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